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Bedürfnisse, Triebe - Nietzsche

Unsere Bedürfnisse sind es, die die Welt auslegen; unsere Triebe und deren Für und Wider. Jeder Trieb ist eine Art Herrschsucht, jeder hat seine Perspektive, welche er als Norm allen übrigen Trieben aufzwingen möchte.

Friedrich Nietzsche

Texter-Tipps: Überarbeitung. Vom Fleiß am Stil

Sie wollen Texte schreiben, mit denen Sie Leser begeistern oder Produkte verkaufen? Dann reicht es nicht, eine Rohfassung zu kritzeln. Denn mit der ersten Fassung ist zwar ein wesentlicher Schritt getan – die Arbeit aber noch nicht zu Ende. Unter professionellen Schreibern gilt die Faustregel: Verwende soviel Zeit für die Überarbeitung deines Textes wie für das Schreiben der Rohfassung.


Doch worauf muss man bei der Überarbeitung achten? Und was heißt „guter Stil“? In erster Linie eines: Verständlichkeit. Verständlich zu schreiben ist keine okkulte Mystik, in die nur geniale Texter eingeweiht sind. Verständlich zu schreiben ist ein Handwerk. Und die Verständlichkeitsforschung sogar eine Wissenschaft. Sie liefert Angaben über optimale Wort- und Satzlängen und die Augenhaltepunkte beim Lesen.

Natürlich ist gibt es weitere Kriterien für guten Stil: Der Text sollte lebendig sein, abwechslungsreich, einprägsam, bildhaft. Doch wenn Sie es verstehen, verständlich zu schreiben, haben Sie schon viel gewonnen. Wie Sie bei der Überarbeitung mit Fleiß am Stil glänzen, zeigen Ihnen diese Tipps.

Tipp Nr.1: From a distance. Werden Sie Ihr eigener Reich-Ranitzki


Der erste Schritt bei der Überarbeitung ist der Schritt zurück. Nachdem Sie den Text fertig geschrieben haben, lassen Sie ihn liegen. Wenn es die Zeit erlaubt, sollten sie mindestens eine Nacht darüber schlafen. Bauen Sie Distanz zu Ihrem Werk auf. Und versuchen Sie dann, den Text mit den Augen eines fremden Lesers zu lesen. Verstehen Sie alles? Stolpern Sie über unklare Aussagen? Ist der Text gut gegliedert? Werden Sie Ihr eigener Kritiker. Was zusätzlich hilft: Lesen Sie sich selbst mit lauter Stimme vor.

Tipp Nr.2: Bringen Sie Bewegung ins Spiel: Werbung für Verben


In der Schule wurden sie auch Tuwörter genannt. Eine schöne Bezeichnung. Denn wo ein Verb ist, da wird etwas getan. Warum neigen dann viele Schreiber zum Nominalstil? Schauen Sie in Ihrem Text, wo Sie den Nominalstil zugunsten eines Verbs auflösen können. Statt: „Die Kunst des verständlichen Schreibens und klaren Formulierens“ lieber: „Die Kunst, verständlich zu schreiben und klar zu formulieren.“

Tipp Nr.3: So lang so lang so extra lang… Aber bitte nicht bei Sätzen


Für die Sätze in Ihrem Text gilt: je kürzer, desto besser. Die dpa gibt ihren Journalisten bestimmte Auflagen für die Satzlänge: Als optimal verständlich gelten 9 Wörter, 20 Wörter sind die Obergrenze des Erwünschten und 30 die Obergrenze des Erlaubten. Für Ihren Text bedeutet das: Lesen Sie sich Ihre Sätze durch. Achten Sie darauf, ob Sie Sätze finden, bei denen Sie zehn Gedanken in einen Satz quetschen. Und dann immer der Reihe nach: Ein Gedanke. Punkt. Noch ein Gedanke. Punkt. Wenn Sie die Satzlänge ermitteln wollen, hilft Ihnen dieses Tool: www.textinspektor.de

Tipp Nr.4: Keine Hilfsverberitis: Oder würden Sie lieber können wollen dürfen?


Hilfsverben lassen einen Text schnell gestelzt wirken. Natürlich sind sie – sparsam eingesetzt – ein Zeichen der Höflichkeit. Aber zu viel Hilfsverben-Höflichkeit verwässert. „Über Ihren Anruf würde ich mich freuen.“ Lieber klar und direkt: „Über Ihren Anruf freue ich mich!“ Darum: Prüfen Sie Ihren Text sorgsam auf alle können, sollen, mögen, möchten, wollen, dürfen, würden usw.

Tipp Nr.5: Füllwörter: Leere Kalorien für Ihren Text


Auch Füllwörter verwässern einen Text. Füllwörter sind echte Weichspüler: Bloß keine klare Aussage! Eigentlich wollte ich an sich ja auch irgendwie doch halt durchaus etwas sagen… Goethe führte deshalb eine schwarze Liste mit verbotenen Füllwörtern. Machen Sie die Probe: Nutzen Sie die Suchfunktion der Textverarbeitung; scannen Sie Ihren Text auf Füllwörter. Streichen Sie die Füllwörter. Stehen Sie dann noch hinter Ihrer Aussage? Dieses Tool hilft: www.schreiblabor.com/textlabor/filler

Tipp Nr.6: Doppelte Verneinung: Sagen Sie Ja – und nicht kein Nein


Prinzipiell sollten Sie immer positive Formulierungen finden. Untersuchungen zeigen, dass 48 % der Leser mehr Zeit brauchen, um einen verneinenden Satz zu verstehen. Die doppelte Verneinung ist eine Katastrophe: „Eine nicht ernstlich gemeinte Willenserklärung, die in der Erwartung abgegeben wird, der Mangel der Ernstlichkeit werde nicht verkannt werden, ist nichtig“ (§118 BGB). Alles klar? Achten Sie auf also auf alle kein, nicht, nie, ohne – und verneinende Vorsilben wie a-, des-, un-, gegen- usw.    

Tipp Nr.7: Attention mit extravaganten Termini: Vermeiden Sie Fremdwörter


In Fachtexten mögen Fremdwörter ihre Berechtigung haben. In Business- oder Gebrauchstexten sollten sie vermieden werden. Die Gefahr von Missverständnissen ist hoch. Außerdem lassen Sie mit einem Fremdwort jeden Leser dumm dastehen, der es nicht kennt. Damit erreichen Sie nur, dass der Leser den Text beiseite legt. Also: Suchen Sie für jedes Fremdwort, das Sie in Ihrem Text finden, eine deutsche Entsprechung. Denn je näher das Wort am alltäglichen Sprachgebrauch, desto lebendiger der Text.

Tipp Nr.8: Satzzeichen: Geste und Mimik der Sprache


Stellen Sie Ihrem Leser öfter mal eine Frage? Zeigen Sie doch Begeisterung! Oder deuten Sie nur vage an… Natürlich können Sie auch – wie ich das hier gerade tue – einen zweiten Gedanken einfügen. Oder Sie machen es so: Sie kündigen etwas an. Für all das gibt es Satzzeichen. Doch die meisten Schreiber nutzen nur Punkt und Komma. Dabei lassen Frage- und Ausrufezeichen, Gedankenstriche und Doppelpunkte einen Text zu einem lebendigen Gesprächspartner werden, der mit eindrucksvollen Gesten und spannender Mimik den Inhalt auf den Leser überträgt. So wird das Lesen zu einem intensiven Gedankenaustausch. Es macht einfach Spaß!


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Stephan Rau arbeitet als Freier Texter, Textcoach und Sprecher in Hamburg. Er studierte Germanistik, Romanistik, Linguistik und Sprachphilosophie in Berlin, Freiburg und Barcelona. In Marketingabteilungen und PR-Agenturen wurde er in Berlin, Freiburg und Leipzig zum Werbetexter und Textspezialisten ausgebildet. Mit seinem fundierten Wissen um Worte und ihre Wirkung unterstützt er Unternehmen unter anderem mit Mailings, Imagebroschüren, Websitetexten, Fachartikeln - und durch umfassendes Marketing- Wissen. Er ist Juniormitglied im Fachverband Freier Werbetexter (FFW) sowie zertifizierter KfW-Textcoach für Existenzgründer: www.stephanrau.de

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